Meine Niere für dich - die Grenze der Dankbarkeit

Ard, Gott und die Welt

„Ich liebe meine Frau! Deshalb war es für mich selbstverständlich, ihr eine Niere zu spenden und sie so von der Dialyse zu erlösen“, sagt Ralf Z. (48). Doch seit der Nieren-OP vor zweieinhalb Jahren hat sich das Leben des Ehepaares radikal verändert.

Als Ralf Z. aus dem Krankenhaus nach Hause ins niedersächsische Morsum kommt, kann er seinen Alltag nicht mehr meistern. Er hat ein Unternehmen mit 30 Mitarbeitern, vier Kinder in der Ausbildung und eine kranke Frau. Er leidet an chronischer Erschöpfung, einer Nierenunterfunktion und kann sich nur noch schwer konzentrieren. Er fühlt sich leer, körperlich „ausgeweidet“, psychisch ausgenutzt. Seine Firma muss Ralf Z. umstrukturieren. Er schafft es nur noch, halbtags zu arbeiten. Seine Ehe wird auf eine harte Probe gestellt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem das Ehepaar nicht über die Nierenspende und ihre Folgen redet. Ralf Zietz gründet einen Verein zur Verbesserung des Schutzes der Lebendspender.

Auch Oliver A. (44) aus dem sauerländischen Fröndenberg leidet unter Erschöpfung und Konzentrationsschwäche, seit er seiner Frau Petra (44) vor vier Jahren eine Niere gespendet hat. Seine KFZ-Werkstatt musste er nach 20 Jahren schließen. Inzwischen arbeitet er nur noch halbtags in der Firma seines Stiefsohns Pascal.

Petra Antoni hat seit ihrem 16. Lebensjahr Probleme mit ihren Nieren. Acht Jahre lang macht sie Dialyse. Sie bekommt die Niere eines Verstorbenen, doch ihr Körper nimmt das Organ nicht an. Schon als die beiden noch gar kein Paar waren, hatte Oliver Antoni ihr seine Niere angeboten. Sie lehnte ab. Erst als es Petra lebensbedrohlich schlecht ging, nahm sie die Spende an. Die Operation verläuft gut, die Niere wird nicht abgestoßen. Die beiden heiraten. Trotz seiner eigenen gesundheitlichen Probleme sagt Oliver Antoni heute, er würde es jederzeit wieder machen: „Mir geht es nicht so viel schlechter wie es ihr besser geht!“ ist sein Fazit. Seine Frau hingegen leidet sehr darunter, dass ihr Mann durch die Nierenspende an sie krank geworden ist. Die Autorinnen Julia Geyer und Regina Milde begleiten zwei Ehepaare nach der Organspende und untersuchen, wie die Paare mit Dankbarkeit, Zweifeln und schlechtem Gewissen umgehen.